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Heiße Tage, Tropennächte, hohe Wärmebelastungen. Wie heiß war der Sommer 2026 wirklich?

Heiße Tage, Tropennächte, hohe Wärmebelastungen. Wie heiß war der Sommer 2026 wirklich?

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Seit September 2025 betreiben wir an unserem Bürostandort in Dortmund eine eigene Decentlab-Wetterstation. Die Messstation ist auf einem Laternenmast in rund vier Metern Höhe über dem Parkplatz installiert und erfasst kontinuierlich Lufttemperatur, Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit, Windrichtung sowie die Black-Globe-Temperatur als Maß für die kombinierte Wirkung von Sonneneinstrahlung und Lufttemperatur. Die Station liefert wertvolle Informationen über die tatsächlich vor Ort auftretenden mikroklimatischen Bedingungen und die thermische Belastung an einem größtenteils versiegelten städtischen Standort.

Die Messungen erlauben dabei einen Einblick in die klimatischen Belastungen, denen Menschen im städtischen Alltag tatsächlich ausgesetzt sind. Die Messungen können auch über eine online Anwendung eingesehen werden (www.peutz-klima.de). Insbesondere während sommerlicher Hitzeperioden lassen sich die Auswirkungen versiegelter Flächen und hoher Strahlungsbelastungen unmittelbar nachvollziehen. Gerade für Städte sind solche kontinuierlichen Messungen von besonderem Wert, da sie sichtbar machen, wie stark sich die thermischen Bedingungen innerhalb des Stadtgebiets je nach Bebauung, Versiegelung, Begrünung und Durchlüftung unterscheiden können.

 

Die Messungen wurden für die heißen Monate Mai bis August 2026 ausgewertet. Der Sommer 2026 war durch eine ausgeprägte und über mehrere Monate anhaltende Wärmeperiode gekennzeichnet. Der Juni stellte dabei den markantesten Monat des Untersuchungszeitraums dar und wies sowohl die meisten Hitzetage als auch die meisten Tropennächte auf. Insbesondere Tropennächte sind aus gesundheitlicher Sicht problematisch, da die Lufttemperatur auch während der Nacht nicht unter 20 °C absinkt. Dadurch können sich sowohl Gebäude als auch der menschliche Körper nur eingeschränkt abkühlen, was die nächtliche Erholung und die Schlafqualität beeinträchtigen kann. Heiße Tage und Tropennächte werden daher als wichtige Indikatoren für hitzebedingte Gesundheitsbelastungen herangezogen.

Die Lufttemperatur allein beschreibt die tatsächliche Wärmebelastung des Menschen nur eingeschränkt. Daher wurden zusätzlich die bioklimatischen Indizes PET (Physiologisch Äquivalente Temperatur) und UTCI (Universeller Thermischer Klimaindex) berechnet. Während klassische Temperaturstatistiken lediglich die meteorologischen Bedingungen beschreiben, ermöglichen PET und UTCI eine Bewertung der tatsächlich vom Menschen empfundenen Wärmebelastung. Dadurch lassen sich gesundheitlich relevante Belastungssituationen deutlich besser erfassen.

Beide Kennwerte berücksichtigen neben der Lufttemperatur weitere klimatische Einflussgrößen wie Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit und Strahlungseinflüsse. Grundlage der Berechnung bildet die gemessene Black-Globe-Temperatur, aus der die mittlere Strahlungstemperatur des Umfeldes abgeleitet wird. Auf diese Weise lassen sich die thermischen Empfindungen und Belastungen des Menschen mithilfe standardisierter Klassifikationen besser erfassen und vergleichen. Die höchsten gemessenen Werte von Lufttemperatur, PET und UTCI verdeutlichen, dass zeitweise Bedingungen erreicht wurden, die nach den etablierten bioklimatischen Klassifikationen einer extremen Wärmebelastung entsprechen.

Insgesamt wurden zwischen Mai und August 2026 bereits 58 Sommertage (Tmax ≥ 25 °C), 26 heiße Tage (Tmax ≥ 30 °C) sowie 7 Tropennächte registriert. Damit trat an rund jedem vierten Tag des Untersuchungszeitraums eine Hitzebelastung von über 30 °C auf.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Wärmebelastung in den bioklimatischen Indizes PET und UTCI für den Zeitraum zwischen 11:00 und 15:00 Uhr. Trotz der Betrachtung des gesamten Untersuchungszeitraums mit sowohl sehr heißen als auch vergleichsweise kühlen Tagen wurden während der Mittagsstunden überwiegend Wärmebelastungen festgestellt, die von leicht bis extrem reichen. Über ein Drittel aller PET-Werte entfiel dabei auf die beiden höchsten Belastungsstufen. Auch die UTCI-Auswertung weist für die Mittags- und frühen Nachmittagsstunden häufig starke bis sehr starke Wärmebelastungen auf. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass hohe thermische Belastungen im Sommer nicht lediglich auf einzelne Hitzeereignisse beschränkt sind, sondern einen wesentlichen Teil der typischen Bedingungen während der Tagesmitte darstellen. Der menschliche Körper ist somit selbst im Mittel über den gesamten Sommer hinweg regelmäßig erheblichen Wärmebelastungen ausgesetzt.

Der typische Tagesgang von Lufttemperatur, PET und UTCI verdeutlicht das Maximum der sommerlichen Wärmebelastung während der Mittags- und frühen Nachmittagsstunden. Während die mittlere Lufttemperatur in den frühen Morgenstunden bei etwa 15 °C liegt, steigen die Temperaturen im Tagesverlauf auf durchschnittlich knapp 24 °C an. Die bioklimatischen Kenngrößen PET und UTCI erreichen dagegen mittlere Werte von über 30 °C und zeigen damit deutlich höhere thermische Belastungen als die reine Lufttemperatur an. Zu erkennen ist, dass die fühlbare Wärme für den Menschen also weitaus mehr Faktoren beinhaltet als die reine Lufttemperatur abbilden kann.

Die tagsüber stärkere Durchlüftung am freistehenden Standort wirkt der thermischen Belastung bereits teilweise entgegen, kann diese an sonnigen Tagen jedoch nicht vollständig kompensieren. An einem weniger stark exponierten Messtandort würden daher sehr wahrscheinlich noch höhere thermische Belastungen erreicht werden.

Die Messungen verdeutlichen eindrucksvoll, dass erhebliche Wärmebelastungen in urbanen Räumen längst keine Ausnahmeerscheinung mehr darstellen. Bereits heute treten regelmäßig Situationen auf, die aus biometeorologischer Sicht als starke bis extreme Belastung einzustufen sind.

Besonders bemerkenswert ist dabei die Anzahl von 58 Sommertagen und 26 heißen Tagen innerhalb des viermonatigen Untersuchungszeitraums. Vergleicht man diese Werte mit den Klimaprojektionen des Weltklimarats (IPCC) für Mitteleuropa, zeigt sich, dass die gegenwärtig beobachteten Verhältnisse bereits Belastungsniveaus erreichen, wie sie in früheren Klimastudien vielfach erst für die Mitte oder das Ende des Jahrhunderts unter höheren Emissionsszenarien erwartet wurden.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Anpassung von Städten an zunehmende Hitzeereignisse nicht allein eine Zukunftsaufgabe ist. Vielmehr sind Maßnahmen zur Hitzeminderung, zur Sicherung von Grün- und Freiflächen sowie zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität bereits heute von zentraler Bedeutung, um die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung langfristig zu schützen.

Kommunale Stadtklimamessnetze können kleinräumige Unterschiede innerhalb einer Stadt erfassen und besonders hitzebelastete Bereiche sowie klimatische Ausgleichsräume sichtbar machen. Dadurch schaffen sie eine wichtige Datengrundlage für Hitzeaktionspläne und ermöglichen es, Anpassungsmaßnahmen gezielt zu planen. Langfristige Messreihen können zudem zeigen, ob Maßnahmen wie Begrünung, Entsiegelung oder Verschattung tatsächlich zu einer Verringerung der Wärmebelastung beitragen. Durch Messstationen im Stadtgebiet und im Umland lässt sich außerdem der städtische Wärmeinseleffekt, also die Überwärmung der Stadt gegenüber ihrem Umland, untersuchen, während Messungen an geeigneten Standorten Hinweise auf Kaltluft- und Durchlüftungsprozesse liefern können. Der Abgleich mit Stadtklimasimulationen trägt dazu bei, Modellergebnisse anhand der tatsächlich vor Ort gemessenen Bedingungen zu überprüfen und räumlich einzuordnen. Werden die Messdaten über öffentlich zugängliche Online-Portale bereitgestellt, können sich auch Bürgerinnen und Bürger über die aktuelle Wärmebelastung und kühlere Orte informieren und aktiv an der Auseinandersetzung mit dem Stadtklima und der Klimaanpassung teilhaben. Denn nur wer weiß, wo und wann Hitze entsteht, kann Städte gezielt klimaangepasst und lebenswert gestalten.